Meine Gedanken zu #Selbstgeboren

Da ich ja auch bei Twitter unterwegs bin, ist mir der Hashtag #Selbstgeboren aufgefallen. Ich konnte damit erst nicht viel anfangen. Nach und nach konnte ich aber anhand der einzelnen Kommentare entnehmen, daß es um die selbstbestimmte Geburt geht.

Genaueres könnt ihr hier nachlesen.

Viele haben darüber geschrieben wie z.B. Anna von BerlinMitteMom oder Mia von Mama-Mia. Sie unterstellen der Dame keinen bösen Willen, sondern nur eine schlechte Wortwahl. Ich bin mir da nach Kommentaren von ihr unter den Blogposts nicht mehr ganz so sicher. Sie beteuert zwar, das assistierte Geburten (also Einleitung, PDA etc.pp)nicht „minderwertiger“ sind als die von ihr beschriebenen „selbstbestimmten“ Geburten. Aber dennoch wiederholt sie in ihren Kommentaren nur das, was sie in Ihrem Blog geschrieben hat.
Wenn ich jetzt also nach ihrem Artikel gehe, habe ich das Mini-Göörl nicht „Selbstgeboren“. Weil sie nicht kraftvoll und selbstbestimmt war. Ah jaaa.
Ich musste an einem Sonntag zur Untersuchung ins Krankenhaus, da ich schon bei 40+4 war. Dort wurde festgestellt, dass das Mini-Göörl quasi auf dem trockenen schwimmt. Also wurde eine Einleitung gestartet um 10 Uhr vormittags. Somit wäre ich das erste Mal raus.
Habe mich dann knapp 10 Stunden bei schon heftigsten Wehen gegen Schmerzmittel entschieden, denn ich wollte es ja aus eigener Kraft schaffen. Von wegen Kraftvoll und so (heute weiß ich dass das blöd war). Ab 16 Uhr ging es dann schon mächtig rund und die Wehen wurden heftiger, aber es tat sich – nichts.. 2 cm und das wars.
Wir sollten dann– ich glaub so gegen 22 Uhr –nochmal ein bißchen laufen. Ich kam nicht weit und so ging es schnell wieder in den Kreißsaal zurück. Meine mich bis dahin betreuende Hebamme hatte gerade Feierabend und kam mir entgegen. Die „Wachablösung“ kannte ich aber bereits von meinem Vorgespräch und von der geburtsvorbereitenden Akupunktur.
Da ich mich vor Schmerzen wand und auch der Kreislauf mal in den Kurzurlaub verschwand, empfang sie mich mit den Worten: Ich glaube es wird Zeit für die PDA. Ich bin ihr nach wie vor dankbar dafür, da ich aus dem Grund „man muss das doch aushalten“ nicht selber drauf gekommen wäre. Zumal ich einen Wehensturm vom feinsten erlebte und selbst der Narkosearzt, der das Aufklärungsgespräch machte schon überrascht ob der Heftigkeit war. Daher dauerte das Gespräch auch etwas länger, da ich quasi keine Pause mehr hatte. Nach einem Wehenhemmer bekam ich dann die PDA.
Also schon das zweite Mal raus bei #selbstgeboren.
Nachdem ich mich eine Stunde unter der PDA erholen konnte und sogar etwas geschlafen habe, kam die Hebamme mit der Frauenärztin rein und eröffnete mir, daß das Mini-Göörl die PDA nicht so gut wegsteckte und daher ein Kaiserschnitt von nöten sei. Die Ärztin begleitete mich übrigens auch schon seit dem Vormittag und kam immer mal wieder rein. Jetzt bin ich schon das dritte mal raus bei #selbstgeboren.
Ich muß dazu sagen, das ich in der „Geburtsvorbereitung „ – den langen Gesprächen, was wollen wir wie machen – dem Queen-Bändiger quasi mantra-artig eingetrichtert habe, das ich zwei Sachen auf gar keinen Fall nie und nimmer haben möchte: Einen Dammschnitt, sofern nicht wirklich notwendig und einen Kaiserschnitt – hierbei noch mit der Spezifizierung, wenn dann nur unter Narkose, da ich mir nie vorstellen konnte, das ich das heile durchstehe bei Bewußtsein, weil ich doch so ein Flatterhemd bin. Außerdem hatte ich mir um meine psychologische Gesundheit Sorgen gemacht, in der irrigen Annahme, das es ja dann keine „richtige“ Geburt ist und ich mich als Versagerin fühle.
Als sie dann wie gesagt vor mir standen und alles erklärten mit allen Eventualitäten haben meine Beine gezittert wie Espenlaub. Ich konnte gar nicht aufhören. Und dann sagte meine Hebamme den Satz, der alles wegfegte, der meine Beine schlagartig beruhigte und mich erdete: „Gleich ist alles vorbei. In ner halben Stunde haben sie die Kleine im Arm.“ Alles ist in dem Moment von mir abgefallen.
Der Queen-Bändiger wurde derweil geweckt, der lag im anderen Kreißsaal, wo man ihm mein Stationsbett hingestellt hat, damit er ein bisschen schlafen kann. Wir hatten Glück, das es trotz der hochsommerlichen Temperaturen ruhig war im Kreißsaal. Er stand dann sehr desolat neben mir und ich erzählte ihm dann nochmal alles und beruhigte ihn.
Man führte mich rüber in den OP und der Narkosearzt betäubte mich abwärts so gut, das ich gar nichts merkte. Ich war dann überrascht, als er mir sagte, das der Schnitt schon gesetzt war (er hatte mir vorher erklärt, das ich eventuell ein paar Sachen spüren könnte). Die ganze Zeit hielt er mich auf dem Laufenden.
Wir hatten dann auch einigen Spaß während des ganzen Vorgangs. Vor allem als der Queen-Bändiger mich fragte, was sie denn mit mir machen, als ich etwas hin und her geschüttelt wurde beim Versuch das Mini-Göörl aus mir „rauszuziehen“. Ich musste so lachen als ich ihm sagte: „Du, ich sehe genauso viel wie du, eher weniger, da ich meine Brille ja nicht aufhabe.“
Als dann das Mini-Göörl da war hörten wir von vorne: Oh ein Junge! ??What?? Es wurde aber schnell aufgelöst und wir lachten erneut herzhaft.
Da sie so klein war wurde sie kurz vom Kinderarzt untersucht, dann aber von der Hebamme zu mir und meinem Mann gebracht. Dort konnte ich sie eine kurze Zeit betrachten, so gut das eben ging ohne Brille. Sie wurde dann aber wieder weggebracht in ein Wärmebettchen; den Mann schickte ich mit.
Nachdem ich versorgt war, kam ich wieder in den Kreißsaal (in den mit der fetten 96 an der Wand, wo ich doch ein Bayern München Fan bin) und man gab mir das kleine Bündel. Sie wurde sofort angelegt und man glaubt gar nicht, was so ein kleiner Mensch schon für eine Kraft entwickeln kann. Sie wurde mir dann nochmal kurz „entwendet“ um sie zu vermessen und zu waschen und sittsam zu kleiden. Als das erledigt war, kamen wir in den „Kennenlern-Raum“ für eine weitere Stunde und dann endlich morgens um vier Uhr auf die Station.
Zu keinem Zeitpunkt fühlte ich mich genötigt oder in eine Ecke gedrängt, etwas zu tun, was ich nicht wollte – mal abgesehen von der ersten Hebamme, die mich permanent zum trinken zwang, obwohl mir schlecht war(sie meinte es nur gut). Auch die nachfolgende Betreuung fand ich sehr begleitend und nicht fremdbestimmt. Wann immer ich Hilfe brauchte (sei es von den Hebammen oder den Stationsschwestern) bekam ich sie. Es wurde immer höflich gefragt, ob man Helfen dürfte, zum Beispiel als man mir das Kind richtig anlegte, mich quasi in Position rückte.
Ich finde die jetzige Diskussion bezüglich des #Hebammenprotestes richtig und wichtig. Jeder soll das die Geburt so für sich einrichten können, wie er möchte.
Ich persönlich kann nichts mit Geburtshäusern oder Hausgeburt anfangen. Mir vorzustellen, das die Schwiegermutter ständig die Ohren spitzt, ob es jetzt losgeht, um dann vielleicht noch an die Tür zu klopfen – nein, das ist nichts. Auch so „Gedöns“ wie Musik oder Kerzen hätte ich kein Empfinden für gehabt. Auch bei der Wahl des Krankenhauses (wir haben das Glück zwei Häuser mit Level 1 Pränatal-Stationen zu haben) war ich nicht auf Schnickschnack eingestellt. Das eine KH ist neu, hat toll beleuchtete Decken mit Sternenhimmelflair.. Aber trotzdem bin ich in das Krankenhaus mit den kleinen Kreißsäälen. Ich habe mir auch keine Gedanken drum gemacht, ob ich eine Beleghebamme habe möchte oder nicht. Vielleicht bin ich da etwas unbedarft, aber ich legte und lege da keinen Wert drauf.
Ich wollte einfach nur das mein Kind gesund zur Welt kommt. Egal ob mit einer oder drei verschiedenen Hebammen.
Mit dem Buchprojekt wird wieder Unmut geschürt zwischen den Müttern die laut Definition also #Selbstgeboren haben und denen die „nur“ ne Einleitung, PDA, Kaiserschnitt oder andere Hilfsmittel hatten.
Gut, ich habe das selber nicht so erlebt, zumindest hat mir das keiner gesagt, das ich keine richtige Geburt hatte. Das habe ich erst im WWW erlebt.
Mir geht es nach diesem Kaiserschnitt blendend. Ich hatte so eine Angst, das es wie weiter oben bereits erwähnt zu „schlimmen“ Gedanken führt oder das ich mich nicht mit meinem Kind verbunden fühle. Alles das ist nicht eingetreten und das Gefühl für das Mini-Göörl war sofort da.
Ich weiß auch, das ich Glück hatte mit meinem Geburtserlebnis.
Leider habe ich durch die jetzige Aktion auch andere Geschichten gehört. In denen den Frauen vermittelt wurde, das es eben keine richtige Geburt war. Oder das sie Vorgänge während der Geburt nicht selber bestimmen konnten, sie einfach nicht gehört wurden. Die sich während und danach dumme Sprüche anhören mussten und daran verzweifelt sind und immer noch – auch nach Jahren – verzweifeln, an sich zweifeln.
Ich weiß auf jeden Fall, das es bei einem zweiten Kind von mir selbstbestimmt ein Kaiserschnitt wird. Ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, ein Kind auf „normalem“ Weg zu bekommen, denn die Zeit während der Wehen war sehr traumatisch für mich. Das habe ich auch in den letzten Monaten mit meiner Gallenblasen Geschichte wieder erlebt. Die Schmerzen da sind den Wehen nicht unähnlich – eher erschreckend gleichwertig – und damit kam ich schwer klar. Da gebe ich gerne die Memme.
Natürlich möchte ich die Schmerzen durch den Kaiserschnitt nicht verniedlichen. Bei mir waren sie bestialisch. Knapp 2 ½ Wochen haben sie mich quasi auf Schritt und Tritt begleitet. Aber damit komme ich besser klar, als mit dem Wehenschmerz.
Während ich das hier schreibe, hat die gute Dame eine weitere Erklärung abgegeben, das sie UNS, die ja nicht selbstbestimmt gebären konnten, damit nicht herabsetzen will. Das man sie missverstanden hat. Gleichzeitig haut sie aber wieder in eine Kerbe, das manche, die das Thema verbloggt haben einfach ein Ventil brauchten, um verbal die Sau rauszulassen. Das der Begriff eben nur ein Buchtitel ist. Wie viele bereits schrieben, es mangelt der Dame am Feingefühl bezüglich ihrer Wortwahl.
Wie ich im Kommentar bei BerlinMitteMom bereits schrieb: Das Mutter werden beginnt ja nicht erst mit der Geburt. Das begann für mich mit dem Test, den ich in der Hand hielt und dem ersten Mal, wo ich den Herzschlag sah. Und dem Blick in das Gesicht meines Mannes, das Leuchten in seinen Augen, als ER das Herz das erste Mal schlagen sah. Dem Einrichten des Kinderzimmers, dem zusammenlegen der ersten Babywäsche. Dem Aussuchen des Namens. Das macht es doch aus und nicht, wie ich mein Kind auf die Welt gebracht habe.
Ich weiß nur eins. Ich habe mein Kind definitiv selbstgeboren.

Wenn ihr weitere Blogposts zu dem Thema lesen wollt, schaut Euch die Blogparade von BerlinMitteMom an. Dort werden noch intensivere , schöner geschriebene Worte zu dem Thema gefunden.

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